Der 30. April ist der letzte offizielle Arbeitstag von Maximilian Vollmayer bei den Starbulls Rosenheim. Dann läuft der Vertrag aus, und der mittlerweile 30-Jährige verlässt den Eishockeyclub von der Mangfall – nach zwölf Jahren im Rosenheimer Dress. Eine Ära geht damit zu Ende.
Rosenheim – Die OVB-Sportredaktion hat diesen Abschied – Vollmayer beginnt eine berufliche Ausbildung und wird noch in der Bayernliga beim TEV Miesbach dem Puck nachjagen – als Anlass genommen, um sich mit dem gebürtigen Ebersberger zu treffen und diese zwölf Jahre Rosenheim noch einmal Revue passieren zu lassen. Vollmayer, stets ein guter Gesprächspartner, spricht über viele besondere Momente, hat einige Anekdoten auf Lager und verrät auch einige Geheimnisse. Im ersten Teil dieses Interviews geht es um seinen Blick auf diese zwölf Jahre, die Mannschaft und ganz besondere Spieler.
1. Die Anfänge
Mit welchem Gefühl blicken Sie zurück?
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge, das ist ja klar. Irgendwo werde ich das schon vermissen. Aber ich freue mich auch auf das, was kommt. Es ist ein neuer Lebensabschnitt, und es wird bestimmt auch interessant.
Versetzen Sie sich mal zurück: Hätten Sie als 18-Jähriger, der damals frisch nach Rosenheim gekommen war, gedacht, dass Sie zwölf Jahre bleiben?
Zwölf Jahre hätte ich wirklich nicht gedacht. Ich bin ja damals im Nachwuchs schon immer von den Agenten und Trainern angerufen worden. Und ich habe immer gesagt: „Nein, ich bleibe da, spiele dort (beim EHC Klostersee, d. Red.) schon erste Mannschaft.“ Für mich hat es keinen Grund gegeben, von dort wegzugehen. Genauso war es dann aber auch in Rosenheim. Es hat immer alles gepasst.
Aber auch zu Ihrer Starbulls-Zeit hat es dann schon Anfragen gegeben, oder?
Ja, definitiv. Beim Abstieg 2017 war schon die ein oder andere Anfrage da. Ich hatte aber Vertrag und habe dann auch gesagt, dass ich diesen Schritt mitgehe. Unter einer Bedingung allerdings: Ich wollte eine Ausbildung machen. Auch da haben sich die Starbulls gekümmert, Marcus Thaller (Vorstand der Starbulls, d. Red.) war da der Initiator. Und dann habe ich drei Jahre lang meine Ausbildung gemacht und dann auch relativ frühzeitig so verlängert, dass die Ausbildung abgedeckt ist.
Was gab es denn für lukrative Angebote?
Ganz ehrlich: Übers Geld habe ich nie nachgedacht.
Aber vom Sportlichen!
Augsburg war da mal. Das andere wäre Bietigheim gewesen. Das war auch schon sehr konkret, da hatten wir schon recht tiefgründigere Gespräche. Aber ich hatte mich dann dazu entschieden, in Rosenheim zu bleiben.
Augsburg wäre aber DEL gewesen!
Ja, aber da bist du dann nur der Ü-Spieler, und ich wollte halt immer spielen. Mir war auch die Liga wurscht. Ihr könnt ja mal nachlesen: Ich habe nie DNL gespielt, ich wollte einfach immer nur Eishockey spielen. Deswegen war das für mich auch klar: Ich wollte spielen und nicht auf der Bank sitzen. Vielleicht bin ich da auch den leichteren Weg gegangen, sich dort nicht durchbeißen zu müssen.
Haben Sie denn irgendwann mal diese Entscheidung bereut?
Nein! Nie. Ich habe gerade jetzt zum Schluss mit meiner Freundin Johanna lange darüber gesprochen. Ich war ja zwölf Jahre lang zwölf Monate in diesem Stadion und kenne dort jede Ecke. Ich war im Winter da, habe im Sommer mein Training dort gemacht und war auch immer da, wenn die irgendwas wegen Social Media gebraucht haben. Ich habe nichts anderes gekannt. Und deshalb gab es schon die Überlegung: Entweder ich höre auf, mache meine Ausbildung und spiele noch in Miesbach weiter. Oder ich gehe noch ein Jahr als Profi weg. Johanna wollte mir das auch nicht vorenthalten. Aber für mich passt das jetzt alles und ich bin glücklich damit.
Sie sind 2014 in die DEL2 gekommen und verlassen diese jetzt zwölf Jahre später. Wie hat sich das Eishockey dort verändert?
Das ist komplett anders. Ich möchte nicht sagen, dass die Jungs früher nicht fit waren, aber die waren nicht auf diesem Fitness-Level, auf dem wir jetzt zum Schluss waren. Damals gab es Spieler, die haben nicht fit ausgesehen, haben aber dennoch gepunktet und waren Leader in der Liga. Solche würde es heute nicht mehr geben.
Was ist sonst noch anders geworden?
Das Spiel ist viel taktischer geprägt. Damals war es ein bisschen Hauruck-Eishockey, damals gab es dann auch noch mehr Einzelkönner. Es wird jetzt auch anders verteidigt. Wir oder Regensburg haben ja nur defensiv gespielt. Das hätte es früher nicht gegeben, da wurde auch mal auf Konter gespielt. Den Pass, den du von der Torlinie zur zweiten blauen Linie gespielt hast, den gibt es ja eigentlich gar nicht mehr.
Was ist denn Ihr größter Erfolg in zwölf Jahren Rosenheim?
Sportlich mit Sicherheit der Aufstieg in die DEL2. Für mich persönlich war das zweite Jahr in Rosenheim relativ entscheidend. Ich hatte von Franz Steer auch im ersten Jahr meine Chance bekommen, aber ich war da noch jung, und es war klar, dass da dann auch mal ein anderer für mich spielt. Aber im zweiten Jahr habe ich fest gespielt und habe meine Eiszeit bekommen. Das war dann so mein Durchbruch. Ich wollte ja 2014 noch ein Jahr Oberliga spielen und hätte in Grafing damals verlängert. Das weiß aber keiner.
Jetzt aber raus damit!
Ich war schon beim Vertragsgespräch gesessen, aber dann ist nichts zustande gekommen. Und ich war schon mit Franz Steer in Kontakt. Im Endeffekt habe ich dann im ersten Jahr in Rosenheim für weniger Geld gespielt, als ich in Grafing bekommen hätte.
Sie sind zweimal Verteidiger des Jahres in der Oberliga Süd geworden. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?
Beim ersten Mal glaube ich, dass mich die Leute, die gewählt haben, nicht einmal haben spielen sehen. Die haben geschaut, wer die meisten Punkte als Verteidiger hatte und dann mich gewählt. Beim zweiten Mal war es etwas Besonderes, weil ich da mein Spiel schon umgestellt hatte. Es war defensiver ausgerichtet, da war ja auch schon der Jari (Trainer Jari Pasanen, d. Red.) da. Damals hätte man eigentlich ein Verteidiger-Pärchen wählen müssen, weil sich der „Tölle“ (Steffen Tölzer, d. Red.) und ich super ergänzt haben.
Sie sind damals ja als Stürmer gekommen...
Das stimmt so nicht.
Wie war es dann?
Ich bin als Verteidiger geholt worden. Ich wollte aber eigentlich nie Verteidiger spielen. Das war ganz lustig: Ich habe im Verein immer Stürmer gespielt und war dann auch bei der ersten Maßnahme im bayerischen Verband. Sascha Kaefer von den Grafingern hatte dort angerufen und gemeldet, dass ich auch als Verteidiger spielen könne. Und dann war ich dort in der ersten Verteidigung eingeplant. Im Verein habe ich aber weiter im Sturm gespielt. Da ist hinten im Zamboni-Stüberl ausgekartelt worden, wo ich am Wochenende spiele. Franz Steer hat mich für Rosenheim als Verteidiger verpflichtet, da habe ich dann aber auch manchmal im Sturm gespielt.
2. Mannschaft und Spieler
Wie war es damals, als 18-Jähriger in eine DEL2-Mannschaft zu kommen? Was war da Ihre Rolle in der Kabine?
Also, ich war jetzt kein Wasser- oder Kofferträger. Ich habe aber eine andere Aufgabe angenommen: Ich habe nach jedem Kabinenfest zusammengeräumt. Manuel Edfelder und „Mondo“ Hilger waren da auch immer mit beim Aufräumen.
Wie ist das jetzt mit den jungen Spielern?
Denen musst du alles anschaffen, das ist jedes Mal ein Kampf. Wenn ich damals zum „Gotti“ (Stürmer Stephan Gottwald, d. Red.) oder zum „Micky“ (Verteidiger Michael Rohner, d. Red.) gesagt hätte, dass ich das jetzt nicht mache, dann hätte ich mir sauber was anhören dürfen.
Das hätten Sie im nächsten Training zu spüren bekommen!
(lacht) Ich hab‘s gemacht – und hab‘s trotzdem im nächsten Training gespürt!
Hatten Sie in der Kabine Rituale?
Damals war der Jörg unser Betreuer und mit dem habe ich vor jedem Spiel, als alle schon zum Aufwärmen raus sind, noch eine Runde Darts gespielt. Immer. Das gibt es jetzt nicht mehr. Wir haben keine Dartscheibe mehr, ich habe aber auch keinen neuen Dartspartner gefunden. Was jetzt noch gültig ist: Ich bin immer der Letzte, der aufs Eis geht. Das hat sich wohl so eingebürgert: Egal ob Spiel oder Training, ich bin immer derjenige, der am längsten mit der Ausrüstung dasitzt.
Warum das? Man ist doch dann froh, dass man die Ausrüstung loswird.
Also Helm, Handschuhe, Brustschutz und Trikot ziehe ich schon aus. Wenn ich bis zur Hose frei bin, dann dauert es schon ein bisschen.
Was hat sich denn an der Ausrüstung verändert?
Bei mir gar nicht so viel. Als ich damals gekommen bin, hatte ich noch keine hohen Ansprüche. Ich habe einfach das genommen, was ich bekommen habe. Mein Helm ist immer dasselbe Modell. Für Miesbach habe ich mir jetzt schon einen roten bestellt.
Ist das noch der gleiche?
Das ist echt schwierig. Ich habe den Sergej Janzen anschreiben müssen, weil der noch einen hatte. Und jetzt haben wir getauscht: Er kriegt von mir einen schwarzen Helm, ich dafür seinen roten. Die kannst du nämlich nicht mehr bestellen. Und wenn, dann musst du den in Amerika bestellen. Und da kostet der 200 Dollar, obwohl er bei uns früher 34,95 gekostet hat.
Zurück zur Kabine: Was machen Sie dann so lange dort?
Ratschen! Ich ratsch’ einfach gerne. Die Jungs sind teilweise schon wieder fertig, haben ihre Sportklamotten an und gehen schon in den Kraftraum. Und ich sitze halt da und mache a bisserl a Gaudi.
Zurück zu 2014: An welchen Spielern hatte sich der junge Maxi Vollmayer orientiert?
Micky Rohner war auf alle Fälle eines meiner Vorbilder. Neben dem Eis bin ich oft bei Andrej Strakhov gesessen. Er hat sich auch ein bisschen der jungen Spieler angenommen. Seine Geschichten waren schon legendär. An so einem wie den „Gotti“, der den Verein ja gelebt hat, habe ich mich sicher auch orientiert.
Wer war denn Ihr bester Mitspieler?
Aufs Eis bezogen, von der Spielintelligenz her und wie er dort alles gelöst hat, war das Tim Kunes. Bei den Stürmern war C.J. Stretch damals einer der Besten, auch Wade MacLeod. Und Stephen Schultz war auch ein sehr Guter.
Wer waren Ihre besten Reihenpartner?
Ich habe mit allen gerne zusammengespielt. Egal, ob es im ersten Jahr mit dem Micky war oder danach im Sturm mit Tyler McNeely. Danach habe ich mit Cameron Burt gespielt, mit dem Matthias Bergmann, Florian Krumpe und Steffen Tölzer. Mit Shane Hanna habe ich auch mal zusammengespielt, aber das hat nicht funktioniert, weil wir beide zu offensiv gedacht hatten.
Wer war der beste Kollege unter den Mitspielern?
Der „Kolb“ (Dominik Kolb, d. Red.), Manuel Edfelder, Leopold Tausch oder auch der Mondo – das waren früher die jungen Spieler. Auch Beppo Frank war mega-lustig, das war echt legendär, neben dem in der Kabine zu sitzen.
Sind denn Freundschaften geblieben?
Mit dem „Kolbi“ auf alle Fälle. Er ist derjenige, der immer da ist. Der hat mir auch schon daheim im Garten geholfen.
Wer war der stärkste Gegenspieler?
Den Kelly von Bietigheim habe ich brutal gefunden.
Gibt es denn einen Spieler, mit dem Sie sich gut verstanden haben, der aber nie in Ihrer Mannschaft war?
Gegen den Marco Pfleger war es immer eine Gaudi zu spielen. Und der Schwarz Andreas von Landshut. Das beruht noch auf seiner Zeit in Bad Tölz. Wir haben zu BEV-Zeiten und bei der Nationalmannschaft viel gemeinsam gemacht.
Wer steht denn in Ihrer persönlichen Starting-Six aus zwölf Jahren Rosenheim?
Das ist echt schwierig! Muss ich mich selbst auch aufstellen?
Sie gehören eigentlich dazu, ja!
Tomas Pöpperle möchte ich im Tor haben, weil er einfach auch ein lustiger und netter Kerl ist, obwohl er schon auch ernst sein konnte. In der Verteidigung ist es schwierig, deshalb stelle ich mich im Sturm auf. Ich würde mich dann total defensiv orientieren und Tölzer und Krumpe hinten reinstellen. Ich wäre dann auf außen, den „Kolbi“ als Center und dazu den Vallorani als besten Zipfler, den wir je hatten.
Warum so defensiv?
(lacht) Du musst diese Offensive ja irgendwie kompensieren.
Im zweiten Teil des großen OVB-Interviews spricht Maximilian Vollmayer über seine Trainer und ganz besondere Spiele.