Ein Derby, das von Taktik und Überraschung gleichermaßen geprägt war: Während die Gebrüder Jahic mit einer perfekt abgestimmten Ecke aufwarteten, entschied ein kurioses Eigentor das hitzige Kreisliga-Spiel zwischen Schloßberg und Sportbund Rosenheim. Doch war es wirklich ein Zufall oder Teil eines cleveren Plans?
von Benedict Schweiger
Bei Regen und niedrigen Temperaturen – Bedingungen, die an diesem Wochenende bereits zahlreiche Spielabsagen in der Region verursacht hatten – pfiff Schiedsrichter Timon Knorr die Partie pünktlich um 14 Uhr an. Die Gastgeber starteten stark. Schon nach 15 Minuten die Riesenchance: Thomas Ofenmacher vom SBR wollte einen Rückpass spielen, verschätzte sich aber. Schloßbergs Elias Krüger stand plötzlich frei vor dem Tor – doch er konnte die Gelegenheit nicht nutzen. Dieser Schreckmoment weckte die Gäste auf. Ab jetzt drehte der Sportbund auf, vor allem bei Standards wurde es brandgefährlich. Besonders auffällig: der 32-jährige Omer Jahic, dessen präzise Hereingaben immer wieder für Unruhe sorgten. Fünf Minuten vor der Pause dann kollektives Aufstöhnen unter den knapp 100 Zuschauern: Nach einer Ecke kam Sanel Sehric völlig frei zum Kopfball und setzte das Ding unhaltbar ins lange Eck – doch ein Schloßberger Verteidiger kratzte den Ball in letzter Sekunde von der Linie.
Kurz vor der Halbzeit fiel das Tor dann doch. Wieder ein Eckball von Omer Jahic. Sein Bruder Fikret lauerte am zweiten Pfosten, köpfte den Ball aufs Tor – und traf unglücklich das Gesicht von Schloßberg-Kapitän Markus Zwigl. Von dort prallte der Ball ins Netz. Ein Eigentor! 0:1 zur Pause. „Die Ecke war so von uns abgesprochen“, gibt der 21-jährige Fikret im Anschluss zu verstehen und lobt seinen älteren Bruder noch in den höchsten Tönen: „Das ist brutal schön. Wir wissen alle, was er für ein Kicker ist. Wenn du dann mit so einem Spieler im Rücken spielst, der dich mit den Bällen füttert, ist das einfach richtig geil.“ Zwigl, der Unglücksrabe der Gastgeber, war dagegen mehr als enttäuscht über den Treffer des Tages: „Wie das Tor dann fällt, ist schon bitter, weil es ein Standard ist. Am Ende bin ich dann dran und es ist ein Eigentor. Die Entstehung des Tores ist auch bitter. Als wir den Ball klären wollen, steht der Gegner klar im Abseits und geht zum Ball, dann gibt es die Ecke gar nicht. Das ist aber nicht ausschlaggebend. Wir müssen die Ecke dann auch besser verteidigen.“
Nach dem Seitenwechsel lieferten sich beide Teams ein intensives Duell, echte Großchancen blieben zunächst aber aus. Erst nach einer Stunde wurde es wieder gefährlich: Die Rosenheimer verloren den Ball in der eigenen Hälfte, Jonas Wieber versuchte es aus 20 Metern mit einem Lupfer – doch der Ball segelte knapp über die Latte. Die zurückliegenden Gastgeber warfen in den letzten 20 Minuten nochmal alles nach vorne, doch der ein wenig überfällige Ausgleich wollte nicht fallen. Stattdessen musste Schloßberg kurz vor Schluss sogar noch zittern: Ein Freistoß von Carlos Kurzer knallte wuchtig an die Latte. Durch das offensive Pressing der Heimelf taten sich in den letzten Minuten große Lücken für die Gäste auf. Der schnelle Sehric flankte den Ball in die Mitte auf den nach vorne gerückten Omer Jahic, der seine hervorragende Leistung jedoch nicht mit einem Tor krönen konnte.
Am Ende blieb es beim 0:1 – der Sportbund Rosenheim sicherte sich die nächsten drei Punkte. Für den Tabellenführer war dieses Spiel die optimale Vorbereitung für das Spitzenspiel gegen den TSV Emmering am kommenden Spieltag, bei denen zuletzt eine wichtige Personalentscheidung getroffen wurde. Schloßberg dagegen steht trotz einer starken Leistung mit leeren Händen da. „Es war ein ziemlich hitziges Spiel von beiden Seiten. Es war klar, dass es eine enge Partie wird. Im Grunde glaube ich, dass ein Unentschieden der leistungsgerechte Ausgang gewesen wäre. Am Ende haben wir kein Tor geschossen und die anderen schon. Wenn du in der ersten Halbzeit eins oder zwei machst, dann spielen wir Unentschieden oder gewinnen es. Unterm Strich war es bitter, dass wir nichts mitgenommen haben, weil ich glaube, dass wir nicht die schlechtere Mannschaft waren“, reflektiert der Mittelfeldmotor Zwigl, der in der vergangenen Saison zum Füllkrug der Kreisliga 1 wurde.
Zu den Saisonzielen der Grün-Weißen meinte der 32-Jährige nur: „Wir wissen, wo wir herkommen. Wir haben die letzten zwei Jahre bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt gekämpft. Wir wollen einfach eine solide Runde spielen. Ich glaube, dass sich jeder Gegner strecken muss, wenn er punkten will. Solange wir nicht sicher durch sind, gibt es keine Ziele als den Klassenerhalt.“ Omer Jahic, der maßgeblich am Sieg beteiligt war, stand beinschuss.de nach Spielende ebenfalls Rede und Antwort: „Wir wussten vor der Partie, dass es kein einfaches Spiel wird. Gott sei Dank haben wir gewonnen und wir müssen weiter so hungrig bleiben. Der Aufstieg ist ganz klar das Ziel. Besonders, wenn es so gut läuft, reden alle vom Aufstieg. Hoffentlich schaffen wir es.“ Der Magier vom Sportbund Rosenheim wird immer wieder als der beste Spieler der Kreisliga 1 gehandelt. Auf die Frage, wie ihm das gefällt, antwortete er stolz: „Wenn andere das sagen, bedeutet das für mich viel. Ich schaue, dass ich bei jedem Spiel 100 Prozent gebe. Aber das ist schon schön.“ (sb)