„Hey Ari, der schießt doch sowieso in die Mitte“
Brannenburg – Knapp sechs Jahre sind vergangen, seitdem Arian Hadzija wirklich Torwart gewesen ist. Nach der A-Jugend war er zwei Jahre beruflich verhindert, dann „habe ich in Raubling bei der Zweiten als Stürmer mitgehauen.“ Im Winter wollte der 25-Jährige wieder zwischen die Pfosten und wechselte zum TSV Brannenburg in die Fußball-Kreisliga 1. Die fehlende Routine ließ sich Hadzija in den ersten beiden Ligaspielen nach der Winterpause gar nicht anmerken, ganz im Gegenteil: Bei der 0:1-Niederlage in Reichertsheim parierte er zwei Elfmeter. Im Interview mit der OVB-Sportredaktion spricht Arian Hadzija über seine Elfmeter-Strategie und den Abstiegskampf mit dem TSV Brannenburg.
Wie parierten Sie die beiden Strafstöße? Waren Sie vorbereitet oder haben Sie spekuliert?
Vorbereitet gar nicht. Ich schaue eigentlich bei Elfmetern immer auf den Schützen. Es war mir irgendwie klar beim Ersten, dass er nach links (aus Sicht von Hadzija, Anm. d. Red.) schießt, einfach von der Körperhaltung. Beim zweiten Elfmeter (beide Male trat Reichertsheims Kapitän Matthias Vital an, Anm. d. Red.) hat einer von unserer Bank reingeschrien: „Hey Ari, der schießt doch sowieso in die Mitte.“ Dann hab ich den Schützen gefragt, ob er in die Mitte schießt. Er sagte: „Na, na, auf keinen Fall.“ Mit der Scherzerei hab ich mir fast gedacht, dass er nicht noch einmal in die gleiche Ecke schießt.
... und dass er Sie nicht anlügt...
...das wär natürlich die Höhe gewesen. Wenn er mir einen Panenka reindrückt oder so (lacht). Also bin ich nach rechts gesprungen und das hat funktioniert.
Haben Sie eine Lieblingsecke oder immer spontan?
Generell schaue ich immer auf den Schützen. Ich habe auch in der Vorbereitung schon einen rausgeholt. Im Brannenburger Dress bin ich jetzt bei drei von drei. Ein Lieblingseck gibt’s nicht, es ist wirklich viel vom Schützen abhängig.
Helfen Ihnen die Erfahrungen als Stürmer beim Torwartspiel?
Ich bin im Eins-gegen-Eins relativ gut, weil ich weiß, wie sich der Stürmer vorm Tor fühlt. Vielleicht spielt das bei den Elfmetern auch ein bisschen mit rein.
In Reichertsheim kam trotzdem nichts Zählbares rum. Wie lautet Ihr Fazit zum Spiel?
Nach dem Spiel in der Kabine haben wir gemischte Gefühle gehabt. Gegen den Tabellendritten, so eine Top-Mannschaft wie Reichertsheim, haben wir uns brutal gut verkauft. Wir haben gut mitgespielt und am Ende Chancen auf den Ausgleich oder sogar das 2:1 gehabt, haben aber mehrmals nur den Pfosten getroffen. Es macht auf jeden Fall Mut für die nächsten Spiele. Ich glaub, wir haben der Liga klargemacht, dass wir die Rückrunde nicht zur Gaudi spielen und das klare Ziel Klassenerhalt haben.
Wie waren Ihre ersten Eindrücke beim TSV und wie lief die Vorbereitung?
Mich hat das Niveau der Mannschaft in den ersten Trainings positiv überrascht und ich hab es mir nicht so wirklich erklären können, warum die Mannschaft so weit unten steht. Mit jedem Training war ich mehr überzeugt, dass wir den Klassenerhalt schaffen werden.
Was fehlt dem TSV Brannenburg aktuell?
Ich hätte gesagt die Kaltschnäuzigkeit vorm Tor.
Am Samstag treffen Sie auf Ihren direkten Konkurrenten, den Tabellenvorletzten TSV Buchbach II. Wie gehen Sie in das Spiel?
Ein richtiger Knaller! Und die Woche drauf gegen Prien. Das sind zwei absolute Must-Win-Spiele. Aber ich bin echt guter Dinge.
Wie lauten neben dem Klassenerhalt Ihre persönlichen Ziele für die Rückrunde?
Immer besser werden. Ich will wieder sicherer und souveräner auf der Linie werden und meine Mannschaft von hinten anleiten. Dieses Torwart-Sein hat mich nie losgelassen und ich hab immer Bock drauf gehabt.Interview: Leon Simeth