„War schon eine coole Woche für mich“
Rott/Regensburg
– Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bereits zum achten Mal insgesamt 22 Vereinsmitarbeiter unter 30 Jahre aus ganz Bayern mit dem Preis „Fußballhelden – Aktion Junges Ehrenamt“ ausgezeichnet und damit ihr unbezahlbares Engagement im bayerischen Amateurfußball auf großer Bühne ins Rampenlicht gestellt. Die Ehrung fand im Rahmen der Zweitligapartie zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem SC Paderborn 07 statt. Als Belohnung für ihr Engagement haben die Preisträger eine Bildungsreise Ende Oktober nach Barcelona gewonnen. Für den Kreis Inn/Salzach wurde der Jugendleiter und U19-Trainer vom ASV Rott, Simon Hifinger, geehrt. Der 25-Jährige studiert aktuell Lehramt in den Fächern Mathematik und Physik und möchte nach seinem Abschluss gerne an der Realschule unterrichten. Laurin Hümmer, Mitarbeiter der OVB-Sportredaktion, hat sich mit ihm zum Interview getroffen.
Wie konnte man sich dafür bewerben und kam diese Initiative von Ihnen oder vom Verein aus?
Im Endeffekt war es so, dass die Bewerbung vom Verein, genauer gesagt von der Vorstandschaft, ausging. Ich selber wusste erst gar nichts davon. Dann hat man die Bewerbung ausgefüllt und auf einmal habe ich dann Ende Oktober einen Anruf vom Bayerischen Fußball-Verband gekriegt, dass ich da geehrt werde.
Wie lief die Ehrung dann genau ab?
Wir alle, die geehrt wurden, haben uns etwa zwei Stunden vor Spielbeginn vor dem Regensburger Stadion getroffen. Danach haben wir alle unsere Tickets für die Loge bekommen und erst mal ein Mittagessen gekriegt. Dann gab es eine kurze Vorstellungsrunde, wo sich jeder kurz vorgestellt und gesagt hat, woher er kommt und was er im Verein macht. Danach haben wir uns das Fußballspiel angeschaut und dann waren eben die Ehrungen an sich, wo dann jeder Einzelne geehrt wurde.
Was macht das mit Ihnen, dass Sie jetzt ausgezeichnet wurden?
Das war schon eine sehr ungewohnte Woche für mich. Da wurde ich jetzt so ein bisschen aus dem Alltagsleben herausgerissen. Im Verein selber gab es wahnsinnig viel Lob. Die Mannschaft, die ich trainiere, hat mir applaudiert, ebenso die Mannschaft, in der ich spiele. Das fühlt sich schon wahnsinnig gut an. Dann noch das Interview jetzt und fürs Regionalfernsehen. Also, das ist schon eine coole Woche für mich.
Sie sind Jugendleiter und Trainer beim ASV Rott. Wie kam es dazu, dass Sie diese Ehrenämter ausführen?
Trainer bin jetzt schon seit mittlerweile zehn Jahren. Angefangen habe ich schon mit 14 Jahren als Betreuer. Ich habe einen kleinen Bruder, mit dem ich als Kind schon Fußball gespielt und ihm Dribbeltricks im Garten gezeigt habe und mir hat das einfach so viel Spaß gemacht, ihm etwas mitzugeben. Da war für mich eigentlich schon klar, dass ich das später mal machen will. Und dann wurde im Verein ein Betreuer gesucht für die ganz Kleinen, und darauf habe ich mich dem damaligen Jugendleiter angeboten, ihn dabei zu unterstützen. Der war damals Trainer der Mannschaft. So hat das angefangen. Und witzigerweise trainiere ich jetzt immer noch dieselbe Mannschaft, mit der ich damals begonnen habe. Mittlerweile ist das unsere U19. Ich hab die jetzt also wirklich mit kleinen Unterbrechungen seit zehn Jahren begleitet. Jugendleiter bin ich geworden, weil ich eben Trainer einer Jugendmannschaft war und dann auch schon recht viele Aufgaben hatte. Und dann ist unser damaliger Jugendleiter Peter Metzke vor vier Jahren auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Der hatte den Job bis dahin 20 Jahre gemacht und wollte ein bisschen kürzertreten.
Was sind Ihre Aufgaben als Jugendleiter, die zur Trainertätigkeit noch dazugekommen sind?
Im Endeffekt kümmere ich mich darum, dass jede Jugend einen Trainer hat, dass die Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet sind und kümmere mich um die Eltern. Wir haben auch Mädchenmannschaften und sogar eine Damenmannschaft, was für einen so kleinen Dorfverein ja auch definitiv nicht selbstverständlich ist. Aber das haben wir die letzten zehn Jahre aufgebaut, worauf wir sehr stolz sind. Dahinter steckt natürlich viel Arbeit. Ein großer Punkt ist auch, Veranstaltungen zu organisieren. Wir haben im Winter immer ein großes Hallenturnier, wo jede Jugendmannschaft ein Turnier hat. Das sind dann 13 an der Zahl, die insgesamt zu organisieren sind. Das ist schon immer viel Aufwand, den wir da betreiben müssen. Und im Sommer haben wir immer ein Feriencamp und Schnuppertraining für die ganz Kleinen.
Gibt es für Sie bei der Arbeit auch negative Seiten? Vielleicht der große zeitliche Aufwand?
Ja, das ist richtig. Das ist schon sehr zeitaufwendig. Ich spiele ja selber auch noch Fußball in der ersten Herrenmannschaft. Montag trainiere ich mit meiner Mannschaft, Dienstag trainiere ich selber, Mittwoch trainiere ich mit meiner Mannschaft und Donnerstag trainiere ich selber. Und dann am Wochenende halt meistens noch zwei Spiele. Also stehe ich dann wirklich sechsmal die Woche am Fußballplatz. Aber es macht halt wahnsinnig viel Spaß. Das ist wirklich einfach mein großes Hobby. Und als Jugendleiter ist es manchmal wahnsinnig schwierig, es immer allen recht zu machen. Jeder Trainer hat ja so ein bisschen seine eigenen Vorstellungen. Und dann muss man selber vielleicht mal diplomatisch sein und etwas kürzer treten.
Es gibt ja eher wenige junge Leute in führenden Funktionen im Fußball und im Sport allgemein. Wie können Sie diese motivieren?
Ja, es ist wirklich schwierig, junge Leute zu einem Ehrenamt zu motivieren. Das merke ich selber. Für mich kann ich sagen, dass ich einen sehr guten Freundeskreis habe, der auch fußballverrückt ist. Einer meiner besten Kumpels ist mein Co-Trainer bei den A-Junioren. Meinen Bruder habe ich vorher schon erwähnt, der macht wahrscheinlich fast genauso viel wie ich und steht fast genauso lange am Fußballplatz. Ich glaube, die jungen Leute sehen eher den Zeitaufwand dahinter und was vielleicht neben Studium, Ausbildung oder gerade frisch begonnenem Job noch auf einen zukommt. Aber hey, Ehrenamt ist nicht nur zeitaufwendig, sondern man kriegt halt auch einfach wahnsinnig viel zurück mit dem, was man macht. Und es macht auch richtig viel Spaß.
Was sind Ihre fußballerischen Pläne für die Zukunft?
Ich rede ja schon seit Jahren darüber, dass ich meine Spielerkarriere nicht mehr so lange machen werde und mich dann wirklich erst einmal auf mein Trainer-Dasein konzentrieren will. Da sehe ich für mich einfach mehr Perspektiven. Das nächste Ziel für mich ist jetzt, den nächsten Trainerschein, also den B-Schein, zu machen.